Fortsetzung der Schulgeschichte
Teil 5
Im Schuljahr 1978/79 wurden 246 Kinder in 10 Klassen unterrichtet. Anfang der 80er Jahre sanken die Schülerzahlen kurz - so gab es 1986/87 nur noch 170 Schüler, die in 8 Klassen unterrichtet wurden. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre stiegen die Schülerzahlen wieder - 1992/ 93 gab es 222 Schüler und man bildete 10 Klassen. Für die nächsten Jahre war ein Anstieg der Schülerzahlen bereits an der Geburtensstatistik der Gemeinde zu beobachten. Deshalb wurde eine erneute Erweiterung notwendig. Die Baueingabe erfolgte am 16. April 1992. Eingereicht wurde sie von Frau Imm, die im Schuljahr 1989/90 die Schulleitung der Grundschule Hugstetten übernommen hatte. Bereits am 26. Juni desselben Jahres wurde die Erweiterung bewilligt. Mit dem Bau wurde am 22. März 1993 begonnen. Gleichzeitig wurde das bisherige Schulgebäude etwas umgestaltet und renoviert, so wurde z.B. ein neues Lehrerzimmer eingerichtet.

Das Richtfest feierte man am 8. Oktober 1993.

Ein Jahr später, im Schuljahr 1994/95 konnten die neuen Räume benutzt werden. Die Einweihung erfolgte am 1. Oktober 1994.

Teil 6
Der Höchststand der Schüler- und Klassenzahlen war in den Schuljahren 1997 - 1999 erreicht. In diesem Zeitraum wurden 11 Klassen eingerichtet, im Schuljahr 1999/2000 gab es 262 Schüler an der Hugstetter Grundschule. Seither, aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland, aber auch nicht zuletzt wegen der Änderung des Schuleinzugsgebietes im Jahre 2000/01, welches für Kinder, die nördlich der Holzhauser Straße wohnen eine Einschulung in der Grundschule Neuershausen zulässt, gehen die Schülerzahlen merklich zurück. So werden im derzeitigen Schuljahr 2004/2005 nur noch 168 Schüler in 8 Klassen unterrichtet.
Teil 7
Im Rahmen des Projektes "Zeitung in der Schule" mit der Badischen Zeitung Freiburg führte die Klasse 4a im Schuljahr 2004/2005 Interviews zur Geschichte des Hugstetter Rathauses durch. Hier erfuhren die Kinder, dass es bereits vor Errichtung der Hugstetter Schule eine Schule in Hugstetten gab. Diese war im Rathaus Hugstetten untergebracht. Teile aus diesen Interviews - die die Schulgeschichte Hugstettens anbelangen - sind im Folgenden nachzulesen.
Interview mit Bürgermeister Hügele:
Herr Hügele: Als ich zum ersten Mal ins Rathaus ging, da war ich noch ein kleiner Bub.....Später bin ich dann in diesem Gebäude zur Schule gegangen. Das Rathaus war nämlich nicht nur Rathaus, sondern auch Schule und zeitweilig war hier auch der Kindergarten untergebracht.
Isabelle: Sind sie auch hier zur Schule gegangen?
Herr Hügele: Ich bin als Erstklässler 1958 hier in der Schule eingeschult worden. Damals gab es zwei Schulräume. Im Obergeschoss, wo jetzt die Gemeindefinanzverwaltung ist, da war das Klassenzimmer von Herrn Kaspar - er war der damalige Rektor der Schule. In diesem Klassenzimmer waren wir Erstklässler vorne gesessen und im hinteren Teil des Zimmers waren das 6., 7. und das 8. Schuljahr. In einem Klassenzimmer haben also alle 4 Klassen Unterricht gehabt, da waren so an die 40 Kinder in einem Klassenraum. Und dort, wo jetzt das Einwohnermeldeamt ist, da war das Klassenzimmer von Herrn Ibach. Er unterrichtete die 2., 3., 4. und die 5. Klässler in einem Klassenraum. Wir Erstklässler hatten dreimal am Vormittag und dreimal am Nachmittag Unterricht.
Die ganze Schule bestand also aus zwei Klassenzimmern. Und es war nicht nur eine Grundschule, es war eine Volksschule - so nannte man die Schule damals und die ging von der 1. bis zur 8. Klasse.
Die Toiletten befanden sich übrigens außerhalb in einem kleinen Gebäude - etwa da, wo heute die Parkplätze sind, entlang des Baches.Dort war auch eine Waschküche untergebracht und oben darüber war das Holz gelagert, das man zum Anheizen brauchte. Als ich hier zur Schule gegangen bin, ist noch mit dem Koksofen gefeuert worden, angeheizt hat man mit Holz. Die Schüler mussten Holz und Koks zum Heizen holen, das war damals ein begehrter Job, denn man konnte sich für einige Zeit im Keller, wo das Koks gelagert war, oder in dem Gebäude draußen, wo das Holz gelagert war, vor dem Unterricht drücken. Einmal im Jahr kam der Holzsäger und dann mussten alle Kinder mithelfen, das Holz auf den Schulabort hochzutragen. Die großen Schüler haben das Holz gestapelt. Das war ein einmaliger Festtag im Leben eines Hugstetter Schülers.Sonst gings aber eher streng zu in der Schule. Die schlimmen Tage waren, wenn man Ärger hatte und der Tatzenstock aus Bambus von Herrn Kaspar war mal wieder kaputt. Herr Kaspar hat sich dann einen neuen Stock aus dem Schlossgarten geholt, im Schlossgarten wuchs Bambus, hat ihn sich zurechtgeschnitten, aber er hat ihn nicht mit in die Schule genommen, sondern hat ihn in den Boden gesteckt. Und wer am anderen Tag dran war zum Tatzen kriegen, der musste dann erst in den Schlossgarten, um den Tatzenstock zu holen und dann hat er seine zwei Tatzen gekriegt.Das Schlimme war, dass im Schlossgarten ein Hund wachte, vor dem man Angst hatte.
Dann kam eine Zeit, wo Hugstetten gewachsen ist, es gab immer mehr Einwohner und Schulkinder und wir sind dann im 3. Schuljahr in ein neues Klassenzimmer gekommen, da wo heute der Bürgersaal ist. Es kam auch eine zusätzliche Lehrerin an die Schule, die hat dann das 3.und 4.Schuljahr unterrichtet. 1960 wurde dann mit dem Bau eures jetzigen Schulhauses begonnen und 1963 - ich bin damals in die 6.Klasse gekommen, sind wir dann ins neue Schulhaus umgezogen.
Alina: War das Gebäude eigentlich als Schul- und Rathaus geplant?
Herr Hügele: Das Gebäude war, wie es damals üblich war, als Schul- und als Rathaus geplant. Das Rathaus bestand aber früher nur aus einem einzigen Zimmer. Da arbeiteten der Bürgermeister und der Ratschreiber. Der Gemeinderechner arbeitete übrigens bei sich zu Hause. Nebendran gab es noch ein Archiv. Erst als die Schule hier ausgezogen ist, hatte das Rathaus drei Zimmer, je eines für den Bürgermeister, den Ratschreiber und den Gemeinderechner.
Das Hugstetter und das Marcher Wappen am Hugstetter Rathaus -früher stand da Schul- und Rathaus drin.
Interview mit Hern Friedrich
Herr Friedrich: Ursprünglich bestand das Rathaus nur aus dem linken Teil (vom hinteren Parkplatz aus gesehen). Das Rathaus wurde früher hauptsächlich als Schulhaus benutzt.Der Eingang für die Schüler war vorne. Dann gab es noch einen Eingang für den Rektor, der oben in dem Gebäude wohnte.Der Eingang war hinten - aber nicht da wo er heute ist. Das Rathaus wurde ja dann im Jahr 1913 angebaut, das ist der rechte Teil vom Parkplatz aus gesehen. Und da kam ein neuer Ein- und Aufgang dazu. Er befindet sich auf der Westseite. Über dem Eingang steht auch die Jahreszahl 1913 und darüber stand früher Schul- und Rathaus.Es gab aber noch ein Gebäude, das zum Rathaus gehörte. Das war da, wo der Parkplatz ist. Da waren die Toiletten drin und wenn man aufs Klo wollte, musste man also immer über den Hof laufen. Das Holz war dort auch gelagert, denn die Öfen in der Schule sind mit Koks geheizt worden und zum Anfeuern brauchte man das Holz. Beim Holzmachen haben alle Schüler mithelfen müssen.
Jonas: Sind sie in die Hugstetter Schule gegangen?
Herr Friedrich: Ja, ich bin 1944 in die Schule gekommen. Meine Frau ist übrigens auch hier in die Schule gegangen. Es gab damals zwei Klassenzimmer. Die haben aber nicht ausgereicht, denn es gab damals viele Schüler. Deshalb hat man einen Schichtbetrieb eingerichtet . Da hatten dann die 1.,2. und die 3. Klasse nur nachmittags Unterricht, die älteren Kinder hatten nur morgens Unterricht. Die konnten dann nachmittags zu Hause mithelfen. Es waren aber trotzdem immer noch ca. 30 Kinder in einem Klassenraum. Und in der Kriegszeit, ab dem Jahr 1945, hatten wir manchmal überhaupt keinen Unterricht, weil in dem Rathaus das Militär untergebracht war. Manchmal mussten wir in dieser Zeit auch in Buchheim in die Schule gehen, dort gab es auch eine Schule. Wenn ich keine Schule hatte, musste ich den Eltern auf dem Feld helfen und mithelfen, die Tiere zu versorgen.
Alter Schul- und Rathausteil (links vom Hintereingang)
Interview mit Dr. Steffens
Dr. Steffens: Das Rathaus ist früher mal ein Schulhaus gewesen.Ein Rathaus brauchte man bis 1800 eigentlich noch nicht. Da hat früher oft nur ein Raum im Haus vom Bürgermeister dafür gereicht. Aber man brauchte ein Schulhaus, und zwar eines mit einer Lehrerwohnung. Ich zeige euch einmal eine Zeichnung, wie das alte Schulhaus von 1810/12 ausgesehen hat. Es stand an derselben Stelle, wie das jetzige Rathaus und wenn ihr einmal rüberblickt zum Rathaus könnt ihr sehen, dass es im ersten Stock noch genauso aussieht wie hier auf der Zeichnung. Es war früher ein ganz einfaches Häuschen, einstöckig mit einer Scheune, ein kleines Bauernhaus also. In dem Häuschen gab es eine Schulklasse - und hier in dem Bauplan könnt ihr die eingezeichneten Schulbänke sehen. Es gab daneben aber auch noch eine Wohnung des Lehrers, die bestand aus drei Räumen: aus einer Küche, einer Schlaf- und einer Wohnstube. Und weil der Lehrer früher kaum etwas verdiente und größenteils sehr arm dran war, betrieb er neben seiner Tätigkeit als Lehrer auch noch Landwirtschaft. Dafür brauchte er eine Scheune und darin hielt er sich eine Kuh. Der Lehrer ist früher auch von den Eltern der Schüler in Naturalien entlohnt worden, er hat zum Teil von dem Getreide oder den Kartoffeln gelebt, die man ihm abgegeben hat. In dem einen Klassenraum wurden alle Klassen von einem Lehrer unterrichtet, also alle Altersstufen von 6 bis 14 Jahren. Dann hat man 1826 das Gebäude verändert. Das Erdgeschoss wurde zu einem großen Klassenzimmer gemacht. Man hat ein Obergeschoss daraufgebaut und dort ist der Lehrer eingezogen. Das Gebäude ist dann etwa 50 Jahre lang so geblieben. Dann gab es immer mehr Leute im Dorf und deswegen natürlich auch immer mehr Kinder. Deshalb hat man 1914 an das Schulhaus einen Anbau gemacht und wenn ihr von der Dorfstraße auf das Rathaus zulauft, könnt ihr den Anbau links erkennen. Nach dem Umbau 1914 gab es dann zwei Schulsäle, eine Lehrerwohnung und einen Rathausraum.
Klara: Aus welcher Zeit stammt denn dann das Bauerhaus, das die Gemeinde gekauft hat?
Dr. Steffens: Es ist schwierig, das heute nachzuvollziehen. Ich vermute, dass es um 1750 herum gekauft wurde. Für euch ist jetzt noch interessant, dass es seit 1660 in Hugstetten schon eine Schule gab. Wo die Schule früher war, weiß man nicht. Oft war es so, dass der Lehrer der Kirchendiener gewesen ist. Schule war früher eine Kirchenangelegenheit. Also, damals kümmerte sich nicht der Vogt, wie der Bürgermeister früher hieß, um schulische Angelegenheiten, sondern der Pfarrer. Damals gab es einen langen Krieg, den Dreißigjährigen Krieg. Nach diesem Krieg hat man dann offensichtlich diese erste Schule gegründet. Die Kinder wurden damals aber fast nur im Winter unterrichtet, weil sie im Rest des Jahres alle mit auf das Feld zum Arbeiten mussten. Hier waren ja alle Leute Bauern und wenn der Lehrer gesagt hätte, dass die Kinder im Sommer zu Schule gehen sollen, hätte es eine Revolution gegeben, da wären die Eltern böse geworden, denn die brauchten die Kinder zum Arbeiten, weil sie kein Geld hatten, andere Arbeiter zu bezahlen. Damals durften auch schon die Mädchen in die Schule. Aber die Mädchen sollten hauptsächlich stricken, nähen und kochen lernen. Erst später hat die Regierung dann angeordnet, dass auch die Mädchen rechnen, schreiben und lesen lernen sollen.
Plan des Schulhauses von 1810/12
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